Eine kurze Geschichte der Hydrokultur

Die Hydrokultur, bei der die Pflanzen nicht in Erde, sondern in anorganische Substrate wie Blähton gepflanzt werden, ist erst in den 1980er Jahren richtig bekannt geworden. Tatsächlich reichen die Anfänge dieser besonderen Kulturform jedoch viel weiter zurück.

Justus von Liebig erforschte die Ernährung von Pflanzen

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Hydrokultur spielte Freiherr Justus von Liebig, der von 1803 bis 1873 lebte und als Professor im Fachbereich Chemie an den Universitäten in München und Gießen tätig war. Er befasste sich mit der Nährstoffaufnahme bei Pflanzen und veröffentlichte seine Erkenntnisse in einem Buch und in seinen Chemischen Briefen, die in einer Zeitung veröffentlicht wurden. Durch sie konnten neue Düngemittel entwickelt und die Erträge in der Landwirtschaft gesteigert werden. Seine Mineralstofftheorie, nach der Pflanzen für ihr Wachstum bestimmte Mineralstoffe benötigen, die jedoch nicht zwangsläufig über die Erde aufgenommen werden müssen, bildete außerdem die Grundlage für die Hydrokultur.
Die Forschung geht weiter: Pflanzen werden in Nährlösungen unter möglichst optimalen Bedingungen aufgezogen.
Die Forschung geht weiter: Pflanzen werden in Nährlösungen unter möglichst optimalen Bedingungen aufgezogen.

Knop und Sachs entwickelten Nährlösungen für Pflanzen

Die nächsten Personen, die bei der Entwicklung der Hydrokultur eine entscheidende Rolle spielten, waren Wilhelm Knop und Julius Sachs. Wilhelm Knop lebte von 1817 bis 1891 und war Professor für Agrikulturchemie an der Universität in Leipzig. Knop nutzte die Erkenntnisse von Justus von Liebig und anderen Wissenschaftlern. Daraus entwickelte er eine Nährlösung für Pflanzen, in der alle Substanzen, die sie für ihr Wachstum benötigen, enthalten sind. Diese Nährlösung testete er in zahlreichen praktischen Versuchen und veröffentlichte die Ergebnisse. Ähnliche Studien machte Julius Sachs, ein Botaniker, der von 1832 bis 1897 lebte und ab 1859 beim agrikulturtechnischen Laboratorium Tharand in Sachsen tätig war. Knop und Sachs gelten deshalb als Mitbegründer der Hydrokultur.
Die Moderne: Industrielle Hydrokultur.
Die Moderne: Industrielle Hydrokultur.

Den nächsten Schritt machte Gerhard Baumann

Bei der Hydrokultur im privaten Bereich wird hauptsächlich Blähton als Substrat genutzt. Er entsteht aus Ton, der bei hohen Temperaturen gebrannt wird. Dadurch bläht er sich auf, wird porös und ist selbst in einer groben Körnung sehr leicht. Seine poröse Struktur sorgt außerdem für eine ausreichende Belüftung der Wurzeln. Die Erkenntnis, dass sich kleine Kugeln aus Blähton sehr gut für die Hydrokultur eignen, ist Gerhard Baumann aus Bern zu verdanken. Er entwickelte in den 1960er Jahren auch die Prototypen der heutigen Kulturtöpfe, die mit einem Wasserstandsanzeiger ausgestattet sind und gründete das Unternehmen Luwasa, das bis heute solche Pflanzgefäße herstellt. Seine Idee wurde natürlich bald von anderen Firmen aufgegriffen, sodass es inzwischen zahlreiche Anbieter gibt. Es dauerte jedoch bis in die 1980er Jahre, bis diese Kulturform richtig populär wurde. Seitdem finden sich diese Pflanzen in ihren Töpfen mit den kleinen braunen Kügelchen in vielen Gärtnereien und selbst in Baumärkten.

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Über mich:

Den sprichwörtlichen "Keim" meiner Begeisterung für Samen, Sprossen und Keimlinge erweckte einst ein Keimgerät. Daher entstand mit meiner Seite keimgeraet.com ein erster Ratgeber zum Thema.
Den gesunden Vitamin- und Geschmacksbomben fühle ich mich bis heute verpflichtet, und im Laufe der Zeit verfasste ich weitere Artikel. Ihnen, liebe Leser, möchte ich damit die Angst vor der Aufzucht eigener Sprossen und Keime nehmen, und obendrein ein wunderschönes Hobby näher bringen!

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