Die Hydrokultur im Gewerbe und in der Wissenschaft

Die Hydrokultur oder Hydroponik erleichtert nicht nur Privatpersonen die Pflege ihrer Pflanzen. Sie kommt ebenso häufig beim gewerblichen Anbau von Obst und Gemüse zum Einsatz. Mit ihr ist der Arbeitsaufwand geringer und auch der Ernteertrag lässt sich steigern.

Die Vorteile der Hydroponik für den gewerblichen Anbau

Der größte Vorteil der Hydrokultur in der kommerziellen Landwirtschaft besteht darin, dass bei ihr Wasser und Düngemittel genau dosiert werden können. Jede Pflanzenart hat unterschiedliche Ansprüche und kann so optimal versorgt werden. In Kombination mit der richtigen Temperatur und genügend Licht tragen die Pflanzen dadurch viele Früchte. Dies kommt nicht nur den Unternehmern, sondern auch den Verbrauchern zugute, denn durch einen hohen Ernteertrag sinken die Preise. Außerdem sind die Lohnkosten relativ gering, denn Licht, Temperatur und die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen lassen sich in großen Gewächshäusern durch vollautomatische Systeme steuern.
Keine Zukunftsmusik: Salat, ganz ohne Kontakt mit Erde in Hydrokultur gezogen.
Keine Zukunftsmusik: Salat, ganz ohne Kontakt mit Erde in Hydrokultur gezogen.
Ein weiterer Vorteil der Hydrokultur ist die Sauberkeit des Substrats. Beim herkömmlichen Anbau in Erde klebt meist auch an den Früchten etwas Erde, die mit viel Aufwand entfernt werden muss, bevor die Ernte verkauft werden kann. Dies ist vor allem bei empfindlichen Früchten wie Erdbeeren nicht ganz einfach. Sie werden daher besonders häufig in Substraten wie Blähton oder Mineralwolle angebaut. Ebenso häufig wird die Hydrokultur aber auch für andere Pflanzen wie Tomaten und vielerlei Gemüse genutzt. Durch die Sauberkeit des Substrats entfällt außerdem die Notwendigkeit, Unkraut zu entfernen, und Schädlinge treten in der Hydrokultur seltener auf als in der traditionellen Landwirtschaft.

NFT und DWC

Im Erwerbsgartenbau wird häufig die Nutrient Film Technique (NFT) oder die Deep Water Culture (DWC) genutzt. Bei der Nutrient Film Technique oder Nährfilm-Technik haben die Flächen, auf denen die Pflanzen stehen, ein leichtes Gefälle, sodass die Pflanzenwurzeln ständig von der Nährlösung umspült werden. Bei der Deep Water Culture gibt es dieses Gefälle nicht. Die Pflanzenwurzeln liegen daher dauerhaft in der Nährlösung. Bei dieser Kulturform ist deshalb eine zusätzliche Belüftung der Nährlösung erforderlich, denn ohne Sauerstoff würden die Wurzeln und damit die gesamten Pflanzen bald absterben.

In Zukunft könnte die Hydrokultur noch wichtiger werden

Auch für die sogenannte Vertikale Landwirtschaft bildet die Hydrokultur die Grundlage. Bei ihr soll der Obst- und Gemüseanbau in mehrstöckigen Gebäuden stattfinden. Dadurch könnten auf einer relativen kleinen Grundfläche ausreichend Lebensmittel für viele Menschen angebaut und selbst Nutztiere gehalten werden. Darüber hinaus wären die Transportkosten gering, wenn solch ein Farmscraper in die Nähe einer Stadt gebaut würde. Die Vertikale Landwirtschaft könnte in Zukunft daher vor allem in der Nähe großer Metropolen eine wichtige Rolle spielen. Die Idee, Obst und Gemüse in Hochhäusern anzubauen, stammt von Othmar Ruthner, einem Maschinenbauingenieur aus Österreich. Er stellte sein Turmgewächshaus schon 1964 auf der Internationalen Gartenschau in Wien vor. Inzwischen arbeiten Wissenschaftler in aller Welt daran, konkrete Projekte zu entwickeln.
Noch weiter in die Zukunft geschaut, könnte die Aeroponik, die der Hydrokultur recht ähnlich ist, bei der Erforschung des Weltalls hilfreich sein. Aus diesem Grund forscht auch die NASA in diesem Bereich. Bei der Aeroponik werden die Pflanzen in speziellen Gefäßen fixiert, sodass ihre Wurzeln in der Luft hängen. Durch entsprechende Vorrichtungen werden sie laufend mit einer Lösung aus Wasser und Nährstoffen besprüht. Für die Aeroponik wird daher nicht einmal ein Substrat benötigt.

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Über mich:

Den sprichwörtlichen "Keim" meiner Begeisterung für Samen, Sprossen und Keimlinge erweckte einst ein Keimgerät. Daher entstand mit meiner Seite keimgeraet.com ein erster Ratgeber zum Thema.
Den gesunden Vitamin- und Geschmacksbomben fühle ich mich bis heute verpflichtet, und im Laufe der Zeit verfasste ich weitere Artikel. Ihnen, liebe Leser, möchte ich damit die Angst vor der Aufzucht eigener Sprossen und Keime nehmen, und obendrein ein wunderschönes Hobby näher bringen!

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